Elfenbeinküste: US-Wahl? Wir erwarten nichts



 

Abidjan, Elfenbeinküste  Am 8. November werden die US-Amerikaner wissen, wer am 17. Januar 2017 als 45. Präsident vereidigt wird. Die Afrikaner*innen und die gesamte Weltöffentlichkeit werden ihre Blicke auf das Land von Uncle Sam richten.

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Und so natürlich auch die Menschen in der Côte d‘Ivoire. Die Wahl von Barack Obama damals hatte bei den Ivorern wie auf dem ganzen afrikanischen Kontinent Anlass zu großer Hoffnung gegeben. Ein amerikanischer Präsident mit afrikanischen Wurzeln! Doch die kommenden Wahlen vom 8. November lösen in der ivorischen Öffentlichkeit keine Begeisterungsstürme aus. Die Reaktionen sind sehr gemischt und schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

So können sich die Vertreter der panafrikanischen Bewegung mit Donald Trump anfreunden, weil sie Hillary Clinton als Kandidatin des Establishments sehen. Ihrer Einschätzung nach könnten sich mit Trump die Dinge zum Guten entwickeln, und zwar besonders in der interventionistischen Außenpolitik, wo das Image der Vereinigten Staaten als Weltpolizei stark beschädigt ist. Unter Clinton würde ihrer Ansicht nach die „destruktive“ Politik der Vereinigten Staaten fortgesetzt werden.

Roger Youan, Cyberaktivist und Vorsitzender der politischen Pressure-Group „Coalition ça suffit“ könnte es nicht besser auf den Punkt bringen: „Ich erwarte mir nichts von dieser Wahl. Wenn uns die Amtszeit von Obama schon nichts gebracht hat, dann wird die Amtszeit von Hillary Clinton oder Donald Trump noch weniger bringen.“ Schwarzer Pessimismus, der von einer Randgruppe geteilt wird. Der Journalist und Blogger Abraham Kouassi ist ebenfalls nicht optimistisch. Seiner Ansicht nach „wird sich grundsätzlich nicht viel ändern. Wer gedacht hatte, dass Barack, „der Afrikaner“, etwas bewegen können würde, wurde bitter enttäuscht.

„Es geht nur darum, das kleinere Übel zu wählen. Tump ist das größere.“

In den Staaten gibt es eine lange Geschichte von Außenpolitik, die sich nur wenig verändert, egal wer an der Macht ist.“ Die Wahl des einen oder der anderen wird also kaum Einfluss auf die Wahrnehmung der US-amerikanischen Außenpolitik durch die Ivorer haben. Diese Einschätzung wird auch von einem Diplomaten in der politischen Hauptstadt Abidjan geteilt, der anonym bleiben wollte: „Es geht nur darum, das kleinere Übel zu wählen. Tump ist das größere.“ Der aufmerksame Beobachter der Weltpolitik und Menschenrechtsexperte Wenceslas W. äußert sich ähnlich: „Ich glaube nicht, dass die Wahlen bedeutsame Auswirkungen haben werden, außer dass Ouattara (Anm. d. Übers.: der ivorische Staatspräsident) wahrscheinlich gestärkt wird, wenn Hillary Clinton das Amt übernimmt. Die Ehepaare Ouattara und Toungara (Anm. d. Übers.: ivorischer Bergbau-, Erdöl- und Energieminister) unterhalten gute Beziehungen im Umfeld von Hillary Clinton.“

Die Ivorer jedenfalls wollen nicht auf die Außenpolitik einer Weltmacht zählen. Als sie das letzte Mal ihre Hoffnungen in Barack Obama gesetzt hatten, wurden sie tief enttäuscht.

Publiziert November 2016