Trotz wichtiger Beziehungen: In Armenien interessiert sich bisher niemand so richtig für die Bundestagswahl



 

Obwohl die Bundestagswahlen schon in einem Monat stattfinden, spielt das in Armenien bisher keine große Rolle. Ein Grund dafür könnte sein, dass der deutsche Kanzler nicht direkt gewählt wird und der politische Kampf deshalb nicht so hart wie zum Beispiel in Frankreich oder in den USA ist. Unabhängig vom Wahlkampf hält man Angela Merkel in Armenien für eine entscheidungsfreudige und verlässliche Führungsperson, die dazu fähig ist, globale Themen zu beeinflussen.

Yerevan - die Hauptstadt von Armenien. Obwohl die deutsch-armenischen Beziehungen sehr eng sind, interessiert sich dort bisher kaum jemand für die Bundestagswahl 2017. flick/cc/Filip Maljković

Aktuell ist Deutschland eins der wichtigen Partnerländer von Armenien: Neben den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen entstanden aus dieser Partnerschaft wichtige Sozial-, Bildungs- und Wissenschaftsreformen. So hat Deutschland einen großen Beitrag dazu geleistet, demokratische Werte zu etablieren, den Ökostrom und Energiespeicher voran zu treiben. Zusätzlich wählen viele armenische Studierende, Forscher- und Künstler*innen Deutschland aus, um dort eine kostenlose und hochwertige Ausbildung zu machen. Viele denken, dass die deutsch-armenischen Beziehungen vor allem deshalb so gut sind, weil sich die deutsche Politik sehr effektiv um seine östlichen Nachbarstaaten bemüht.

Die Armenier rechnen Merkel vor allem die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch den Bundestag hoch an, der gegen den hartnäckigen Widerstand der Türkei durchgesetzt wurde.

Obwohl Armenien 2013 der von Russland geführten Eurasischen Union beigetreten ist, ist für Armenien die Weiterführung und Vertiefung der Beziehungen zur EU ebenfalls unverzichtbar. In diesem Kontext sehen viele die wahrscheinliche Wiederwahl von Angela Merkel positiv, weil sie sie für eine berechenbare Politikerin halten, die eine Annäherung der russischen Beziehungen und östliche Partnerschaften anstrebt.

Ebenso sind Deutschlands Anstrengungen für eine Lösung des Berg-Karabach Konflikts von unschätzbarem Wert. Neben Kontakten, Treffen und Verhandlungen auf offizieller Ebene, gab und gibt es eine Vielzahl an Treffen und Trainings zwischen Repräsentanten der Zivilgesellschaft, Journalist*innen, Künstler*innen und jungen Armenier*innen, Menschen aus Azerbaidschan und aus Berg-Karabach, die auch mit der Unterstützung von deutschen Stiftungen und Organisationen stattfinden.

Die ruhige Atmosphäre vor den Wahlen in Deutschland und die Führung von so einer erfahrenen Politikerin wie Merkel ist ein positiver Faktor für Armenien und den Südkaukasus im Generellen, zumindest solange das die Fortsetzung der aktuellen deutschen Politik und die damit verbundene Realisierung von Programmen und Projekten garantiert, immer mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu vertiefen.

Publiziert September 2017