Die Elfenbeinküste und Angela Merkel: Fördern und Fordern



 

Abidjan, Elfenbeinküste  Auf dem G20 Gipfel hat Merkel eine neue Afrika-Politik eingeläutet. Viele Ivorer hoffen auf ihre Wiederwahl.

Merkel ist seit 2005 Kanzlerin. Wenn sie am 24. September 2017 wiedergewählt wird, triit sie nicht nur ihre vierte Amtszeit an, sondern behält auch den Posten der mächtigsten Frau der Welt, den sie laut Forbes Magazin trägt. Merkel hält das Schicksal Deutschlands in ihren Händen und trägt ihre Vision in die Welt. Wie nimmt Afrika die kommende Wahl in Deutschland auf? Und vor allem: Wie spricht die Elfenbeinküste darüber? Was könnten Folgen für die Elfenbeinküste sein, falls Angela Merkel die Wahlen gewinnt?

Die Menschen an der Elfenbeinküste erhoffen sich viel von einer Wiederwahl Merkels. © Francis Taky

Merkel läutet am G20-Gipfel eine neue Afrika-Politik ein

Als Präsidentin des G20 Gipfels hat Angela Merkel die Gelegenheit genutzt, eine (ihre) neue, deutsche Afrika-Politik für die nächsten Jahrzehnte auf den Weg zu bringen. Wolfgang Schäuble hat seinerseits die anderen G 20 - Staaten dazu aufgefordert, diesem Ansatz zu folgen.

Die neue Partnerschaft ist beispielhaft für eine völlig neue Annäherung an Afrika – im Zentrum soll wirtschaftliche Entwicklung stehen. Eine Beziehung, die sich so zusammenfassen lässt: "Fördern und Fordern", indem man sich auf entwickelte Partner stützt, also auf afrikanische Länder, die ihr Land wirtschaftlich reformieren wollen. "Wir wollen neue Anreize für die am meisten entwickelten Staaten setzen (…) Für die Staaten, die politisch gewillt sind, mit unserer Unterstützung Dinge zum Wohl ihres Landes und zum Wohl ihrer Bevölkerung zu verändern", so der deutsche Minister für Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller.

Das heißt: Nur "entwickelte" Länder dürfen hoffen, von der deutschen Unterstützung zu profitieren. Misst man diese Entwicklung an Gesetzestexten und anderen, angekündigten Reformen, die ausschließlich auf dem Papier existieren, kann niemand darauf hoffen, dass die Elfenbeinküste von der deutschen Hilfe etwas abkriegen wird. Denn in der Praxis läuft alles weiter wie bisher, vor allem im Bereich der Korruption und der "Good Governance".

Der Kampf gegen die illegale Einwanderung

Die Elfenbeinküste hat über 800 illegale Migrant*innen registriert, die zwischen dem 1. Januar und dem 15. Februar 2017 in Italien angekommen sind. Und laut der italienischen Behörden schätzt man, dass seit Ende letzten Jahres über 11.000 Ivorer*innen das Mittelmeer überquert haben.

Laut Angela Merkel muss man, um die Menschen von der Flucht abzuhalten, die Ursachen der Migration bekämpfen. Der eigenen Bevölkerung also eine positive Zukunft ermöglichen. "Die wirtschaftliche Entwicklung muss einem Rhythmus von schnellem Wachstum und Anpassung an die Bevölkerung folgen, um jungen Menschen eine positive Zukunft zu schaffen und so den Druck auf die Migration zu reduzieren," so ein Sprecher von Angela Merkel.

Das heißt, die Elfenbeinküste erwartet viel von einer Wiederwahl Angela Merkels, vor allem, um dabei zu helfen, die Flucht von Jugendlichen Richtung Europa zu bremsen, wo alle Hoffnungen spätestens im Mittelmeer auf den Meeresboden sinken. Auf einer Reise 2016 durch Mali und Niger, Transit-Länder für viele Migrant*innen, und in Äthiopien (Sitz der Afrikanischen Union), deshalb in der Wiederwahl von Merkel, für den Kontinent Afrika und speziell auch für die Elfenbeinküste.

Publiziert September 2017