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Südafrika – Rauswurf afrikanischer Migranten

Kommentar



 

Durban, South Africa  „Die Verfolgung afrikanischer Einwanderer in Südafrika nimmt beängstigende Ausmaße an. Noch während die äthiopische Gemeinschaft im Begriff ist, die Leichen drei Ihrer Landsleute, die während der letzten zwei Wochen getötet wurden, zu überführen, gibt es bereits ein viertes Opfer nach dem Gewaltausbruch gegenüber afrikanischen MigrantInnen“. Das berichtet die senegalesische Onlinezeitung „Seneweb“ am 15. April 2015.

Demonstration gegen die Gewalt an afrikanischen Einwanderern in Durban (Südafrika) flickr/cc/GovernmentZA

Die Regenbogennation ist keine mehr. Seit den Äußerungen von Edward Zuma, dem ältesten Sohn des Präsidenten der Republik, in denen er bekräftigte, dass man die in Südafrika lebenden AusländerInnen „deportieren“ müsse, da sie gefährlich seien, hat die Gewalt gegenüber Einwanderern beängstigende Ausmaße angenommen. Laut dem französischen Radiosender RFI (Radio France International) hat Edward Zuma damit an die Worte des Königs der Zulu, Goodwill Zwelithini, der höchsten Autoritätsperson der Provinz, angeknüpft. Dieser hatte in der vergangenen Woche die AusländerInnen dazu aufgefordert, das Land zu verlassen.

Leider! Denn sagt man nicht, dass Wörter eine tödliche Waffe sind? Die Aussagen dieser beiden Männer aus Kwazulu-Natal (Anmerkung der Redaktion: Provinz an der Ostküste Südafrikas) haben nämlich Resonanz gefunden. Einige „Idioten“ haben den geheimen Plan der Zulu, Einwanderer, die als Petechie (Krankheit) angesehen werden und Jobs „wegnehmen“, zu jagen, in die Tat umgesetzt. Aus diesen problematischen Aussagen von traditionellen Autoritätspersonen und anderen Mächtigen Südafrikas resultieren (nach offiziellen Angaben) vier Tote und zahlreiche Verletzte.

Es ist kein offenes Geheimnis, dass sich die Vorfälle in der Provinz nach den fremdenfeindlichen Aussagen von verschiedenen Persönlichkeiten der Region, darunter der Sohn des Präsidenten Jacob Zuma, ereignen. Bereits am 16. März 2015 wurde ein aus dem Kongo stammender Mann in der Stadt Durban nach einer rassistischen Schikane bei lebendigem Leib verbrannt.

Für ein Land, das die Apartheid erlebt hat, ist dieses Verhalten erstaunlich

Im Jahr 2009 ging eine Welle fremdenfeindlicher Gewalt über Südafrika, die mehr als 60 Tote forderte. Die Liste rassistisch motivierter Straftaten wird immer länger. Und bei einem Land, das die Rassentrennung (Apartheid) erlebt hat, sind wir über ein solches Verhalten unserer afrikanischen Brüder mehr als erstaunt. Für den Versuch, deren Reaktion zu verstehen, ist es deshalb nötig, kurz zu erklären, was sich unter der Apartheid-Politik in Südafrika abgespielt hat.

Apartheid. Das Wort leitet sich vom Französischen „à part“ (getrennt) ab und bedeutet „Getrenntheit“ auf Afrikaans. Es handelte sich um eine Entwicklungspolitik, die die Bevölkerung nach ethnischen und sprachlichen Kriterien in bestimmte geographische Gebiete aufteilte. Im Jahr 1948 wurde diese Politik offiziell bestätigt, denn die Nationale Partei verabschiedete unter der Führung des calvinistischen Theologen Daniel Malan ab diesem Jahr zahlreiche Gesetze und Verordnungen. Die Bevölkerung wurde in vier Hauptgruppen unterteilt: Weiße, Asiaten, Farbige und Schwarze.

Die Städte waren den Weißen vorbehalten, alle anderen Gemeinschaften wurden in Ghettos verbannt... Südafrika hat jedoch die Apartheid besiegt. Das Land kämpft nun gegen Ungerechtigkeit, Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Daraus leitet sich aber ab, dass diejenigen, die zuvor von ganz Afrika unterstützt wurden, sich nun gegen ihre eigenen afrikanischen Brüder wenden und in gleichem Maße jene rassistische Gewalt anwenden, die von ganz Afrika denunziert und bekämpft worden war.

Die Gesellschaft muss ihrer Verantwortung gerecht werden

Schade, dass es zu so etwas kommen kann. Jetzt, wo wir eine Afrikanische Union haben. Die Präsidentin dieser Union stammt sogar selbst aus Südafrika, einem Land mit vielen Menschen, die der panafrikanistischen Bewegung anhängen, darunter der Schriftsteller Albert Lutuli, der von 1951 bis 1958 Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) war und im Jahr 1960 den Friedensnobelpreis für seinen Kampf gegen die Apartheid-Politik erhielt, Helen Suzman, die über drei Jahrzehnte lang eine zentrale Figur der Opposition gegen die Apartheid-Politik war, Steve Biko, Nelson Mandela, Walter Sisulu, Ahmed Kathrada, Govan Mbeki, Dennis Goldberg, Raymond Mhlaba, Lionel Bernstein, James Kantor, Elias Motsoaledi und Andrew Mlangeni, Thabo Mbeki,...

Es ist wirklich beschämend! Während die Hoffnungen zahlreicher junger Menschen in den Tiefen des Mittelmeers versinken, sterben und von den Fischen verschlungen werden, tötet man in Südafrika mit Macheten, Messern, Hacken, Hämmern, Gabeln,… Man tötet afrikanische Einwanderer nur, weil sie nicht aus Südafrika kommen. Bei Gott! Stellen wir uns einmal vor, die Schwarzen hätten in der Zeit der Apartheid-Politik die Macht gehabt, die Weißen zu bezwingen. Es bleibt jedem selbst überlassen, sich diesen Gedanken auszumalen. Es ist dringend notwendig, sich eingehend mit Migrationsfragen zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang muss man natürlich auch die katastrophalen Vorkommnisse, die die Geflüchteten im Mittelmeer und selbst auf ihrem eigenen Kontinent erleben, sowie die Frage nach der Entwicklung Afrikas betrachten. Wenn die Regierung scheitert, muss die Gesellschaft ihrer Verantwortung gerecht werden.


Published September 2015




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